Fehlbar|Zeit

30.04./1.05.17

als Diplomarbeit an der Folkwang Universität der Künste entstanden

die beiden Gastspiele am Landestheater Schwaben finden in Kooperation mit den Bezirkskliniken Schwaben statt

von und mit Miriam Haltmeier

Tanz: Narumi Saso/ Valentina Herold/ Baptiste Bersoux

Musik: Antonia Hillebrand

"Von guten und bösen Geistern bedrängt

Eine ganz in Schwarz gekleidete Frau sitzt in einem von wenigen, nackten Glühbirnen beleuchteten Halbdunkel. Wie aus dem Nichts greifen Hände nach ihr, erst zwei, dann vier. Wütend versucht sie, die zupackenden Finger und einengenden Arme abzuschütteln. Es gelingt ihr nicht. Schließlich kommen zwei schwarz gekleidete Wesen aus ihrer Deckung hervor, mit denen die Frau ringen, streiten und auch flirten wird. Diese eindringliche Szene ist Teil von Miriam Haltmeiers einstündiger Tanz- und Schauspielperformance "Fehlbar|Zeit" zum Thema Depression, die von den Besuchern des Landestheaters Schwaben äußerst aufmerksam verfolgt wird. (...)

Zwei Tänzer, die junge Japanerin Narumi Saso und der Franzose Baptiste Bersoux, verkörpern überzeugend und mit vollem Einsatzdie Gebrechlichkeit, das Versiegen, aber auch die selbstzerstörrerische Aggression innerer Energien. Sie stürzen, fallen, werden angefeuert oder erdulden Vertreibng, was zur völligen Bewegungslosigkeit führt.

Sensibles Gesamtkunstwerk

Haltmeier hat ein sensibles und stimmiges Gesamtkunstwerk aus Tanz, Worten, Projektionen und Geräuschen, aus Bewegung und Raum geschaffen. Musikalische Elemente wie Gesang, das Improvisieren und Kratzen von Antonia Hillebrand auf den Saiten von Klavier und Geige, spielen eine ebenso wichtige Rolle, wie die ausgefeilte Dramaturgie von Gesten und Licht. (...) Zum anschließenden Publikumsgespräch bleiben fast alle 45 Besucher da und führen eine angeregte Diskussion. (...) Auch wenn diese bühnengerechte Aufhebung der Depression in Poesie keine direkte Hilfe für Betroffene ist - nicht sein kann und nicht sein will - so führt die ästhetische Analyse sehr nah an die Auflösungserscheinungen und das Verunsichernde dieser Krankheit heran. Selbsterforschung, die bis zum Schluss mit großem Interesse aufgenommen wurde und viel Applaus erhielt."

von Harald Holstein |Allgäuer Zeitung